
Der
Tauchvorgang
Obwohl der Seehund
normalerweise nur 5 bis
6 Minuten unter Wasser
bleibt, kann er bis zu
40 Minuten tauchen.
Gleichzeitig kann er
Tiefen von 100-200 m
erreichen.
Um
diese Leistungen
vollbringen zu können,
besitzt der Seehund
einige erforderliche
Merkmale:
Während des Abtauchens
schließen sich seine
Nasenlöcher automatisch.
Sie müssen nach dem
Tauchgang aktiv geöffnet
werden.
Auch
die Ohren werden
geschlossen. Außerdem
kann während des
Tauchganges selbst beim
Fressen kein Wasser in
die Lunge eindringen) da
der Kehlkopf an die
Forderungen angepasst
ist.
Um
die langen Tauchgänge
unbeschadet zu
überstehen, waren einige
Anpassungen nötig:
Der
Blutkreislauf des
Seehundes wird durch
Gefäßverengung
verkleinert, so dass nur
noch die wichtigsten
Organe mit dem im Blut
gebundenen Sauerstoff
versorgt werden. Dies
geschieht nach neueren
Erkenntnissen durch
Ausschüttung von die
Durchblutung hemmenden
Stresshormonen durch die
Nebenniere
(sympathisches
Nervensystem).
Auch
besitzt der Seehund im
Verhältnis zum
Körpergewicht 70 % mehr
Blut als der menschliche
Körper Dieses ist
außerdem mit größeren
roten Blutkörperchen,
die den
Sauerstofftransport
übernehmen,
ausgestattet. Der
Seehund kann so ungefähr
doppelt soviel
Sauerstoff binden wie
der Mensch.
In
den Muskeln des
Meeressäugers befindet
sich Myoglobin, ein
Eiweiß, dass die
Sauerstoffkonzentration
im Muskel erhöht, indem
es das Molekül bindet
und so einen Vorrat
schafft.
Zudem
sinkt der Herzschlag von
150 Schlägen pro Minute
auf unter 10 Schläge pro
Minute (Normalfrequenz:
60 Schläge pro Minute):
Das Blut wird nicht mehr
so schnell durch den
Körper gepumpt und
deshalb der Sauerstoff
auch nicht so schnell
verbraucht. Zur
Entlastung des Herzens
können außerdem größere
Blutmengen im
Venensystem
zurückgehalten werden.
Ähnlich wie bei der
Zirkularatmung bzw.
Hyperventilation des
Tauchers reichert der
Seehund vor dem
Abtauchen sein Blut
durch kräftiges Ein- und
Ausatmen mit Sauerstoff
an. Vor dem Untertauchen
atmet er aus - so wird
verhindert, dass die
empfindlichen, aufgrund
der Aufgabe, einen
möglichst großen
Sauerstoffaustausch zu
gewährleisten, sehr
zarten Lungenbläschen
durch den Wasserdruck
platzen. Gleichzeitig
vermeidet er so, dass
Stickstoffblasen beim
Aufsteigen die
Blutgefäße verstopfen
(Taucherkrankheit: Bei
starkem Wasserdruck wird
mehr Stickstoff im Blut
gelöst, der bei
Nachlassen des
Wasserdruckes
,,ausperlt" und die
Gefäße verstopft.). Als
zusätzlicher Schutz vor
Verletzungen der
Lungenbläschen sind die
Bronchiolen von
Knorpelspangen und
Muskeln umgeben.
Außerdem ist ein so
genanntes ,,Wundernetz"
- ein reich verzweigtes
Adersystem vorhanden,
das nicht wie bisher
meist vermutet der
Sauerstoffspeicherung
dient (zu geringes
Volumen), sondern den
Druck auf die Lunge
reguliert. Diskutiert
wird auch eine
Wärmeregulierende
Funktion, schließlich
sind die Gefäße von
Fettgewebe umgeben.
Obwohl genauere
Kenntnisse fehlen, kann
man sagen, dass der
Stoffwechsel in den
Muskeln nach einiger
Zeit auf anaeroben Abbau
(Milchsäuregärung)
umgestellt wird.
Ein
weiterer wichtiger Punkt
für den Tauchgang ist
der Temperaturhaushalt.
Vor allem gegen
Unterkühlung müssen
Maßnahmen ergriffen
werden, da das Fell des
Seehundes, ist es erst
einmal nass geworden,
nicht mehr isoliert.
Vor
allem die dicke
Speckschicht, die bis zu
8 cm dick sein kann,
schützt den Seehund vor
Auskühlung.
Während die wärmende
Schicht im Sommer mit
oft gerade mal 1,5 cm
sehr dünn ist, beträgt
die Dicke im Winter
meist 4 bis 5 cm (nach
Drescher).
Auch
durch das dichte
Adernetz kann Wärme
abgegeben werden. Zu
diesem Zweck existieren
unter anderem in den
Gliedmaßen enge
Verbindungen zwischen
venösen und arteriellen
Blutgefäßen, die den
Wärmeaustausch erhöhen
und somit den
Temperatur- bzw.
Wärmeverlust mindern.
Durch
die Wahl von wärmerer
Sandbank oder kälterem
Wasser kann das Tier
außerdem aktiv Einfluss
nehmen.
Wichtig ist es auch,
kurz auf die anderen
Anpassungen des
Seehundes an das Leben
im Wasser einzugehen
(siehe ,,Sinnesorgane').
Zunächst einmal fällt
die stromlinienförmige
Körperform auf. Ein
bremsender Halsansatz
fehlt fast völlig, die
Extremitäten sind zu
funktionellen Antriebs-
und
Steuerungsinstrumenten
reduziert.
Das
Herz des Seehundes ist
als Anpassung an den auf
den Brustkorb
einwirkenden Wasserdruck
besonders breit und
flach. |