
Nahrungsnetz
Ein ausgewachsener
Seehund frisst täglich
zwischen 4 und 8 kg
Fisch und Garnelen.
Dabei liegt der
gewichtliche
Plattfischanteil bei
79,2 %, nämlich 60,9 %
Flundern und 11,7 %
Schollen. Andere Fische
wie Dorsch und Wittling
(7,2 %), Stint (6,1 %)
und Seeskorpion (4,1 %)
spielen eine geringere
Rolle.
Als weitere
Betrachtungsweise bietet
sich die
Nahrungszusammensetzung
nach Individuenzahl an.
Hier wird nicht
ermittelt, wie viel kg
von jedem Fisch
gefressen werden,
sondern wie viele Fische
der Seehund zu sich
nimmt. Entsprechend
spielen hier die
kleineren Tiere eine
größere Rolle. So fallen
kleinere Plattfische mit
25,9 %, Grundeln mit
22,5 %, Flundern mit
17,3 % und Garnelen mit
8,8 % ins Gewicht.
Diese Zusammensetzung
verdeutlicht die
Bedeutung der
Nahrungspyramide. Der
Seehund frisst zwar nur
ca. 5 kg Fisch pro Tag,
was ungefähr 25 Schollen
entspricht, diese müssen
aber zum Überleben
ihrerseits jeweils 25
kleine Fische
verspeisen, also
insgesamt 625 Tiere. Die
kleinen Fische wiederum
ernähren sich von
täglich je 25 Garnelen.
Also frisst der Seehund
gewissermaßen täglich
15.625 Garnelen.
Garnelen brauchen ca.
100 Planktontiere
täglich, die wiederum je
1000de Planktonpflanzen
fressen. Also ernährt
sich der Seehund von
täglich 1,5 Millionen
Planktontieren bzw. 1,5
Milliarden
Planktonpflanzen.
In dieses Gedankenspiel
lässt sich die
Schadstoffkomponente der
Nahrungskettenproblematik
gut einbauen. Stellt man
sich vor, wie sich die
Schwermetall- und
chlorierte
Kohlenwasserstoffverbindungen
mit jedem weiteren Tier
in der Nahrungskette
addieren, so bekommt man
ein Bild von der
Schadstoffbelastung des
Seehundes. Es ergibt
sich eine umgekehrt
Pyramide. Geht man von
einem Schadstoffgehalt
von 2 ppm (partikel per
million parktikel) im
Phytoplankton aus, so
ergibt sich eine
Konzentration von 4 ppm
im Zooplankton, 10 ppm
in Garnelen und Krabben,
30 ppm in größeren
Fischen und 600 ppm in
Endkonsumenten wie dem
Seehund.
Die Nahrungspyramide

Schadstoffanreicherungen

ppm = parts per million
/ Teilchen per Million
Entsprechend ihrem Alter
bevorzugen Seehunde
verschiedene Nahrung.
Während die Welpen in
den ersten vier Wochen
Muttermilch saugen,
erbeuten sie in den
Monaten nach der
Entwöhnung vor allem
kleinere Fische wie
Grundeln und Garnelen.
Erst ab dem zweiten
Lebensjahr ergibt sich
die oben dargestellte
Nahrungszusammensetzung.
Diese altersspezifische
Nahrungszusammensetzung
setzt die innerartliche
Konkurrenz bezogen auf
die Beute herab.
Die Tatsache, dass der
Seehund verschiedene
Fischarten zu seiner
Beute zählt, bietet den
Vorteil, dass er bei
Ausfallen der einen Art
auf andere Nahrung
ausweichen kann. So
wirken sich
Bestandseinbrüche bei
den einzelnen Fischarten
nicht so negativ auf die
Seehundpopulation aus.
Natürlicherweise gibt es
jedoch keine bzw. kaum
bemerkenswerte
Bestandeinbrüche bei den
im Wattenmeer lebenden
Konsumenten. Schließlich
können euch die
Beutetiere des Seehundes
auf verschiedene Nahrung
ausweichen.
Lediglich die
Produzenten, also die
Pflanzen, die am Anfang
der Nahrungskette
stehen, könnten einen
Zusammenbruch
hervorrufen.
Man spricht von einer
Bestandsregulierung von
unten. Der Seehund muss
also nicht reduziert
werden, weil er in der
südlichen Nordsee keine
natürlichen Feinde hat,
da sein Bestand von der
Nahrungsmenge abhängig
ist und begrenzt wird.
|