
Geburt und
Jungenaufzucht
Seehunde werden in der
Regel Mitte Juni bis
Ende Juli geboren. Die
Jungen kommen auf einer
Sandbank zur Welt. Die
Geburt geht
folgendermaßen
vonstatten:
Sobald die Wehen
einsetzen, sucht die
Mutter eine Sandbank
auf. Befindet sie sich
in der
Hochwasserperiode, so
kann sie die Geburt
problemlos herauszögern
und die
Niedrigwasserperiode, in
der die Sandbänke
freifallen, abwarten.
Zur Niederkunft entfernt
sich das trächtige Tier
von der Population. Es
kommt zu einer
Sturzgeburt, das heißt
einer besonders
schnellen Geburt, bei
der die Fruchtblase
meist schon platzt. Ist
sie jedoch auch nach der
Geburt noch ganz
erhalten, so wird sie
von der Mutter mit
Krallen und Zähnen
aufgerissen. Schließlich
zählt jede Minute, denn
die Flut kommt bald und
überschwemmt die
Sandbank. Die Zeit bis
sie wieder schwimmen
müssen nutzen die von
der Geburt erschöpften
Hunde um sich
auszuruhen. Außerdem
wird das Junge das erste
Mal gesäugt. Die
Muttermilch ist extrem
fetthaltig, ca. 45%
Fettgehalt, so dass das
Seehundbaby schnell zu
Kräften kommt. Die
Säugung kann nur auf den
Sandbänken durchgeführt
werden, da sich die
Zitzen der Mutter in
einer Felltasche
befinden und erst vom
Jungen hervorgedrückt
werden müssen. Im Wasser
würde der Welpe außerdem
leicht abrutschen.
Während einer
Trockenperiode muss das
Jungtier mindestens 3
mal gesäugt werden.
Deshalb ist Ruhe
besonders wichtig. Ein
Grund, warum
Seehundmütter sich mit
ihren Welpen auf
Mutterbänke, abgelegene
Sandbänke, zurückziehen.
Störungen zum Beispiel
durch ohne Wattführer
wandernde Touristen
haben starke negative
Folgen. Sobald das
Wasser den Liegeplatz
erreicht, muss das Junge
schwimmen. Anders als
alle anderen Robbenarten
hat das Seehundbaby sein
weiches,
wasserdurchlässiges
Embryonalfell bereits im
Mutterleib abgestoßen
und ist mit dem glatten
Fell erwachsener
Seehunde bestens zum
Schwimmen ausgestattet.
Schwimmen können die
Seehunde direkt nach der
Geburt - die Fähigkeit
ist angeboren.
Das Junge schwimmt
voraus, die Mutter muss
ihr Kind immer im Auge
behalten und hinter ihm
her schwimmen. Wenn es
erschöpft ist, legt es
sich auf den Rücken
seiner Mutter und hält
sich mit seinen Krallen
fest.
An gewinnbringende Jagd
ist in dieser Zeit für
die Mutter nicht zu
denken. Sie zehrt von
ihrer dicken
Speckschicht. Die
Säugezeit ist deshalb
sehr anstrengend.
Schließlich muss das
Tier gleich zwei
Seehunde versorgen -
sich selbst und das
Junge.
Das Seehundjunge muss in
den nächsten vier bis
fünf Wochen viel
zunehmen:
Während es bei der
Geburt bei einer Länge
von durchschnittlich 80
cm nur 7-10 kg wog, hat
sich sein Gewicht in
dieser Zeit
verdreifacht: auf bis zu
27 kg. Wenn es
selbständig wird,
braucht das Junge diese
Fettreserve. Den
Fischfang muss es noch
lernen, und anfangs
erwischt es nur wenige
Garnelen und Fische.
Doch schon bald ist der
Welpe groß genug, um
problemlos alleine
zurechtzukommen.
Dennoch sterben ca. 60 %
der Seehundwelpen im
ersten Lebensjahr.
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